Länder wie Belgien und Großbritannien führen sie schon ein oder testen sie grade: die 4-Tage-Woche. Deutschland diskutiert hingegen zeitgleich über die Erhöhung der Arbeitszeit auf 42 Stunden pro Woche. Welches Modell ergibt mehr Sinn und was fordern die Arbeitnehmer*innen? Das erfährst du in diesem Beitrag!
Die 4-Tage-Woche
Lange Zeit war es gang und gäbe, dass Arbeitnehmer*innen an 6 Tagen in der Woche arbeiten gingen. Seit den 1960er-Jahren gibt es in Deutschland aber die einheitliche Regelung der 40-Stunden-Woche, die zumeist 5 Tage andauert. Doch schon länger steht auch dieses Modell in der Kritik. Viele Menschen haben keine gesunde Work-Life-Balance; Freizeit ist eher Mangelware. Da in der modernen Arbeitswelt in einigen Berufen aber flexiblere Modelle in Bezug auf die Arbeitszeit oder Home-Office theoretisch kein Problem mehr darstellen würden, werden die Forderungen danach immer lauter.
Bei der 4-Tage-Woche geht es darum, an 4 anstatt an 5 Tagen in der Woche auf die Arbeit zu gehen, um beispielsweise ein längeres Wochenende zu haben. Das heißt aber nicht zwingend, dass auch die Arbeitszeit kürzer ist. Der Lohn bleibt außerdem gleich.
Für die Umsetzung der 4-Tage-Woche gibt es verschiedene Möglichkeiten. In Belgien wurde bereits im Februar 2022 eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Angestellte frei entscheiden lässt, ob sie 4 oder 5 Tage arbeiten möchten. Wenn sie sich für das 4-Tage-Modell entscheiden, bleibt ihre Arbeitszeit aber weiterhin bei 40 Stunden pro Woche. Das bedeutet, dass die einzelnen Arbeitstage etwas länger werden (10 Stunden). In Großbritannien findet seit Juni ein großes Experiment zur 4-Tage-Woche statt. Dabei wird das 100-80-100-Modell getestet: Die Arbeitnehmer*innen bekommen 100 Prozent Bezahlung für 80 Prozent Arbeit, bei der die Produktivität dennoch bei 100 Prozent liegen soll. An diesem Experiment beteiligen sich über 70 Unternehmen. Deutschland unternimmt bisher noch keine Maßnahmen in diese Richtung. Aber auch verschiedene Firmen wie Microsoft, Bolt oder die Comdirect Bank führen 4-Tage-Wochen ein.
Vor- und Nachteile des Modells
Eine forsa-Umfrage zeigt, dass sich über 70 % der deutschen Berufstätigen ein solches Modell wie in Belgien wünschen. Ob dieses jedoch wirklich sinnvoll ist, ist bislang noch nicht klar. Einerseits sehen viele Expert*innen die Einführung der 4-Tage-Woche als unrealistisch an, weil die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Unternehmen kaum absehbar sind. Andererseits stellen sich bisherige Ergebnisse als durchaus positiv heraus. Durch einen weiteren freien Tag haben die Arbeitnehmer*innen mehr Zeit für Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten. Dadurch erhöht sich die allgemeine Lebenszufriedenheit sowie die Zufriedenheit mit dem Job, was sich wiederum in der Produktivität widerspiegeln kann. Ein positives Beispiel ist der japanische Firmenstandort von Microsoft, an dem die 4-Tage-Woche ausprobiert wurde. Dort arbeiteten die Mitarbeiter*innen nach der Einführung des Modells sogar produktiver als zuvor.
In Deutschland könnte die Einführung der Option der 4-Tage-Woche, bei der die Arbeitszeit gleich bleibt, schwer werden. Zehn Stunden Arbeit pro Tag sind rechtlich zwar möglich, allerdings würde jede Minute darüber hinaus gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, was im Berufsalltag aber schnell passieren kann. Um das zu verhindern, würde vermutlich die insgesamte wöchentliche Arbeitszeit verkürzt werden. Ob Arbeitgeber*innen dann den gesamten Lohn zahlen, müssten sie individuell entscheiden. (jk)