Zum ersten Mal seit 25 Jahren haben extremer Reichtum und extreme Armut auf der Welt gleichzeitig zugenommen – das zeigt der aktuelle Oxfam-Bericht „Survival of the Richest“. Was das bedeutet und wie die Lage bei uns in Deutschland aussieht, erfährst du in diesem Beitrag!
Reiche werden immer reicher
Der Oxfam-Bericht zeigt, dass das eine reichste Prozent der Weltbevölkerung 45,6 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt – also fast die Hälfte. Die restlichen 54,4 Prozent des Weltvermögens werden sich also von den anderen 99 Prozent der Menschheit geteilt. Ziemlich heftig, oder?
Zwar ist das Gesamtvermögen der Milliardär*innen letztes Jahr im Vergleich zu 2021 etwas gesunken, allerdings ist es noch immer um mehrere Billionen US-Dollar größer als vor der Corona-Pandemie. Die Superreichen konnten von der Pandemie also profitieren, während diese für die meisten von uns eher negative Auswirkungen auf die finanzielle Situation hatte. Hinzu kommt, dass es insgesamt immer mehr Milliardär*innen gibt. Seit 2010 hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt. Inzwischen besitzen laut dem Forbes-Magazin 2.668 Menschen auf der Welt mindestens eine Milliarden US-Dollar.
Auch in Deutschland ist die Lage extrem. 81 Prozent des gesamten Vermögenszuwachses, der zwischen 2020 und 2021 erwirtschaftet wurde, flossen an das reichste Prozent der deutschen Bevölkerung, so die Entwicklungsorganisation Oxfam. Das heißt im Umkehrschluss wieder, dass auf die übrigen 99 Prozent der Deutschen lediglich 19 Prozent des Zuwachses entfielen.
Die weltweite Armut steigt
Während die Reichen immer reicher werden, gibt es immer mehr arme Menschen. Etwa jeder zehnte Mensch auf der Erde hungert; das entspricht circa 828 Millionen Menschen. Die Situation wurde unter anderem durch die Corona-Pandemie verschlechtert. Allein im Jahr 2020 rutschten laut Oxfam über 70 Millionen Menschen weltweit zusätzlich in extreme Armut. Die Aussichten sehen zudem dem Bericht zufolge nicht besonders gut aus, da mindestens 1,7 Milliarden Arbeitnehmer*innen in Ländern arbeiten, in denen die Inflation größer ist als die Lohnentwicklung.
Jedes fünfte Kind in Deutschland armutsgefährdet
Aus einer noch aktuelleren Studie der Bertelsmann-Stiftung geht hervor, dass mehr als 16 Prozent der Menschen in Deutschland von Armut bedroht sind. Besonders hoch ist der Anteil unter jungen Leuten. 2,9 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland sind armutsgefährdet; dies sind 20,8 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist sogar jede vierte Person betroffen (25,5 Prozent). In den Altersgruppen 25 bis 49 Jahre sowie 50 bis 64 Jahre ist der Anteil geringer. Bei den über 65-Jährigen sind 17,4 Prozent von Armut gefährdet.
Als armutsbedroht gelten Personen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens verfügen. Momentan entspricht das ungefähr 2460 Euro brutto im Monat. (jk)