Nach turbulenten Wochen unter Liz Truss als Premierministerin Großbritanniens trat im Oktober ihr Nachfolger Rishi Sunak ihre Nachfolge an. Damit ist er der erste Premierminister mit Migrationshintergrund und steht repräsentativ für die größte Minderheit des Landes. Dass die Regierungselite des Landes diverser wird, ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude, dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wer vermutet, dass Sunak ein Mann des Volkes ist, irrt sich leider gewaltig.
Einfühlungsvermögen eines Milliardärs
Seine Eltern ermöglichten ihm von klein an die beste Schulbildung auf einem privaten Internat, dem Winchester College, der Universität Oxford und Stanford University. Sunak vermehrte sein Vermögen unter anderem als Analyst bei der Investmentbank Goldman Sachs und als Partner eines Hedgefonds. Seine Hochzeit mit Akshata Murthy, der Tochter eines milliardenschweren Unternehmers, macht das Ehepaars zu einem der reichsten des Landes – angeblich haben die beiden mehr Geld als King Charles.
Sunak ist einer der privilegiertesten Männer des Landes. Außerdem zahlt seine Frau, die nicht in Großbritannien geboren ist, keine Steuern auf ihr internationales Einkommen. Obwohl das ganz legal ist, sorgte dieser Umstand für Empörung bei den Wählern. Aus diesem Grund beschloss sich Murthy zugunsten der Karriere ihres Mannes, dies in Zukunft zu ändern. Die Frage, wie volksnah ein Milliardär politische Entscheidungen über ein Land treffen kann, stellt sich weiterhin.
Hoffnung liegt auf Sunak
Die Wirtschaft Großbritanniens muss in Zeiten der Rezession einigen Herausforderungen standhalten. Seit dem Brexit ist die Stabilität des Landes gefährdet und wechselnde Regierungen verschärfen die Situation. Dennoch bringt Rishi Sunak als ehemaliger Finanzminister einiges an Erfahrung mit in sein Amt. Seit dem Brexit ist nun schon einige Zeit vergangen, dennoch befindet sich das Land immer noch dabei, mit den Konsequenzen der Unabhängigkeit umzugehen. Einer der Gründe, warum die konservative Tory-Partei Sunak als Kandidat so zugeneigt war, könnte daran liegen, dass er seine Kritik gegenüber Truss öffentlich äußerte und später damit Recht behielt. Er warnte sie im Sommer vor exakt jenem Finanzchaos, das die letzte Premierministerin in ihrer kurzen Amtszeit von 44 Tagen mit ihrer Wirtschaftspolitik anrichtete.
In den eigenen Reihen soll Sunak eher einen relativ liberalen und hinsichtlich der Finanzen einen realpolitischen Ansatz verfolgen. Bei der Besetzung des Kabinetts erntete Sunak einige Kritik. Es sei zu konservativ und die Migrationspolitik zu hart. Dennoch liegt der Fokus Sunaks vorrangig auf der britischen Wirtschaft. Laut der Zeitschrift „The Times“ war der Staat bei seinem Amtseintritt in einem Haushalts-Minus von 40 Mrd. Pfund. (sms)