Wer an ein Kartell denkt, hat oft eher Drogenhandel in einem mittel- oder südamerikanischen Land im Kopf. Oft handelt es sich hierbei jedoch gar nicht um tatsächliche Kartelle, also Zusammenschlüsse von Konkurrenten, sondern um strukturierte kriminelle Organisationen. Diese Ringe von Drogenhändlern vertreiben professionell illegal Drogen. Die bekanntesten Drogenkartelle sind in Mexiko und Kolumbien aktiv.
Bei vergangenen Kartellen in Deutschland handelte es sich um deutlich weniger gefährliche und legale Güter wie Bier, Wurst, Zement und Zucker. Hört sich im direkten Vergleich mit Drogen erstmal wenig spektakulär an. Jedoch ist es notwendig zum Schutz deutscher Konsumenten solche Kartelle aufzudecken und der Kooperation von konkurrierenden Unternehmen Grenzen zu setzen.
Fairer Wettbewerb
Klären wir aber zuerst die Bedeutung des Wortes Kartell. In Deutschland soll auf den verschiedenen Märkten ein fairer Wettbewerb gelten. Dieser trägt kurz gesagt dazu bei, dass Anbieter bestrebt sind, ihre Preise zu senken, bessere Qualität anzubieten und ihre Produkte und Dienstleistungen stetig weiterzuentwickeln. Diese tun sie mit dem Ziel, der attraktivste Marktteilnehmer zu sein und damit das meiste Geld zu verdienen. Vor allem aber haben diese Bemühungen alle einen positiven Effekt auf den Konsument, denn wer möchte nicht das bestmögliche Produkt zum billigsten Preis haben. Dies führt aber auch zu einem harten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, da diese sowohl preislich als auch die Qualität betreffend ständig versuchen sich zu übertreffen.
Schaffen eines Marktmonopols
Beenden kann man diesen Kampf der Unternehmen, indem sich die in einem Markt konkurrierenden Unternehmen absprechen. Dabei wird gemeinsam ein Preis für z.B. Kartoffeln festgelegt. Die Kartoffeln unterschiedlicher Marken werden nun alle zum gleichen Preis angeboten. Daraus resultiert, dass es dem Kunden weniger wichtig ist, welche Marke Kartoffeln sie kaufen, soweit es keine großen Qualitätsunterschiede gibt. Die Marktanteile der Unternehmen werden ähnlich groß. Sie dominieren den Markt nun gemeinsam, und können die Preise heben und senken in Absprache miteinander. Die Käufer müssen sich so den neuen Preisen fügen.
Unfaire Bepreisung
Hier wird das Problem deutlich, dass der abgesprochene Preis deutlich von einer fairen Bepreisung von Gütern abweichen kann. Die Unternehmen können durch ihr Marktmonopol (ihrer Dominanz am Markt) einen Preis verlangen, der weit über den Herstellkosten für dieses Gut liegt. Da dies auf Kosten der Konsumenten geschieht, ist die Bildung von Kartellen in Deutschland grundsätzlich untersagt. Dafür sorgt das deutsche Kartellamt, welches Märkte beobachtet. Es greift ein, wenn es zu einem Marktmonopol kommt, welches negative Auswirkungen mit sich bringt. Da Absprachen zwischen Unternehmen aber meist nur persönlich durch Vertreter geheim stattfinden, fällt es oft schwer Kartelle aufzudecken. Wenn das Kartellamt einen solchen Fall aufgedeckt, nachdem die Absprache stattgefunden hat, kann es Strafen in Höhe von Millionen oder Milliarden Euro an die beteiligten Unternehmen verhängen. (sms)