Falls du seit Längerem auf der Suche nach einem Therapieplatz bist, bist du einer von vielen Menschen in Deutschland mit diesem Problem. Es ist nichts Neues, dass es lange dauern kann, bis man einen Platz in der Psychotherapie bekommt. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Lage noch weiter verschlechtert. Was die Ursachen dafür sind und welche Maßnahmen daran etwas ändern sollen, erfährst du in diesem Beitrag!
Mehr Therapieplätze benötigt wegen Corona-Pandemie
Seit 2020, also mit Beginn der Corona-Pandemie, hat die Nachfrage nach Therapieplätzen bei Erwachsenen um rund 40 % zugenommen – so die Schätzung des Präsidenten der Bundespsychotherapeutenkammer. Bei Kindern und Jugendlichen ist es sogar noch extremer; unter ihnen ist der Bedarf an Psychotherapien um circa 60 % höher als vor der Pandemie.
Doch warum hatte die Pandemie einen so großen Einfluss auf unsere psychische Gesundheit? Die Ursache dafür sehen Therapeut*innen in der sozialen Isolation. Einsamkeit und fehlende Kontakte zu Freunden oder Familie haben viele Menschen sehr belastet. Auch wenn die Phase der Ausgangssperren und sozialen Beschränkungen zwar nun vorbei ist, hat sie Konsequenzen für unser jetziges Leben. Denn in dieser Zeit haben sich bei vielen Menschen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen entwickelt oder verstärkt.
An einen Therapieplatz zu kommen, ist daher nun schwerer denn je. Kinder und Jugendliche müssen aktuell ungefähr 5 Monate auf ihren ersten Termin warten. Das ist jedoch ein großes Problem. Wenn psychische Krankheiten nicht behandelt werden, können sie sich chronifizieren. Das heißt, sie sind nicht mehr nur vorübergehend, sondern werden dauerhaft. Kinder, die keine Therapieplätze bekommen und daher nicht behandelt werden können, werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine gesunden Erwachsenen.
Maßnahmen reichen nicht aus
Vor Kurzem wurden erst 800 neue Kassensitze für Psychotherapeut*innen geschaffen. Ein Kassensitz bedeutet eine Zulassung für Therapeut*innen und bietet ihnen die Möglichkeit, vertragsärztlich tätig zu sein. Das heißt, dass sie sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Personen behandeln können und ihre Leistungen dann mit den Krankenkassen abrechnen. Die Therapeutenkammer teilt jedoch mit, dass die 800 Kassensitze viel zu wenig seien und mindestens dreimal so viele von Bedarf sind.
Vor über 10 Monaten hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach außerdem versprochen, ein Gesetz zur Bedarfsplanung von Therapieplätzen vorzustellen. Dies sollte dabei helfen, einen Überblick zu bekommen, wie viele Plätze tatsächlich benötigt werden. Bis heute ist allerdings nichts in dieser Hinsicht geschehen. (jk)