Im April diesen Jahres strömten Student*innen das erste Mal seit 2 Jahren wieder in ihre Vorlesungssäle. Nach 4 Semestern war ein Großteil der Student*innen es leid 8 Stunden am Tag vorm Laptop zu sitzen und online an Vorlesungen teilzunehmen. Der normalerweise aufregende Lebensabschnitt, der von Partys und neuen Bekanntschaften geprägt sein sollte, wurde für manche zum Gefängnis der Einsamkeit. Trotz des Abflachen der Pandemie und der langsamen Rückkehr zur Normalität droht den Studierenden Deutschlands nun wieder das Fernstudium vom Schreibtisch aus. Daran sind aber nicht die jährlich im Herbst steigenden Zahlen der Corona Infizierten schuld, sondern die Energiekrise, welche durch die Sanktionen gegen Russland ausgelöst wurde.
Kosten tragen Studenten
Steigende Preise für Strom und Gas treffen natürlich auch die Universitäten. Hohe Decken, große Hörsäle: Das Heizen der Gebäude ist teuer. Da sich die Preise immens erhöhen, werden Schließungen von Hochschulen von Universitäten in Betracht gezogen. Bei vielen Universitäten Deutschlands handelt es sich um Altbauten dessen Energiebilanz schlecht ist und somit noch höhere Kosten verursachen. Dies stößt vor allem bei Student*innen auf Empörung. Das zu Recht, schließlich werden so die Heiz- und Stromkosten auf sie abgewälzt. Wer mehrere Stunden am Tag im Winter still vorm Laptop sitzt weiß, dass es schnell mal kalt werden kann. Die elektronischen Geräte müssen bei dieser Auslastung auch geladen werden. Auch ohne Online-Studium kämpfen die Student*innen aktuell mit den hohen Kosten für Lebensmitteln, Strom und Heizung.
Universitäten in Polen können nicht zahlen
In Deutschland debattiert die Politik noch, wie Universitäten am besten Strom einsparen können. In unserem Nachbarland Polen tendieren Politik und viele Universitäten Richtung Online-Studium. So zum Beispiel die älteste Universität des Landes in Krakau, deren Plan bei fehlender finanzieller Unterstützung, Online-Unterricht von Oktober bis mindestens Januar vorsieht. Laut Kalkulationen rechnet die Universität im kommenden Jahr mit einer Steigerung ihrer Energiekosten um 700 Prozent. Somit müsste die Universität umgerechnet 31,5 Millionen Euro mehr zahlen. Ein weiterer Grund für die hohen Kosten ist Polens Energiepolitik. Diese ist im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten nicht besonders nachhaltig orientiert ist. Die größte Energiequelle Polens ist Kohle. Deswegen müssen polnische Energieversorger Emissionslizensen erwerben, die über die letzten Jahre immer teurer geworden sind.
Die Universität Warschau geht mit einem guten Beispiel voran und versucht auf Online-Lehre zu verzichten und stattdessen den Energieverbrauch zu senken, indem man LED-Beleuchtung und Solarpanels installiert. Noch besteht Hoffnung in deutschen Universitäten. Deutsche Universitäten entwickeln Stufenpläne, welche Maßnahmen wie Temperatur Regulierung, Einschränkung der Nutzung von Gebäudeteilen und Beleuchtung der Räume betrifft. Wie ernst die Situation im Winter wird, bleibt abzuwarten. (sms)