Während Deutschland mit den steigenden Gaspreisen zu kämpfen hat, steigt die Inflation und Lieferengpässe häufen sich. Während wir letztes Jahr noch einen relativ warmen Herbst genossen haben, ist es dieses Jahr schon besonders früh kalt. Das erklärt, warum der Gasverbrauch im Vergleich mit den letzten Jahren um zehn Prozent gestiegen ist. Auch wenn die Preise für den Normalverbraucher schon auf einem hohen Niveau liegen, verspricht die Zukunft weitere Preissteigerungen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es weiterhin in der Lieferkette zu Lieferschwierigkeiten kommt.
In Krisenzeiten bedarf es einen Puffer
Bisher haben deutsche Unternehmen die Logistik Strategie von „Just in Time“ angewendet, was so viel bedeutet, dass man so wenig wie möglich an Gütern lagert. Denn eine Lagerung von Gütern ist immer mit anfallenden Kosten verbunden ist. Nun müssen deutsche Unternehmen aber umdenken. Probleme mit den Lieferketten führen dazu, dass deutsche Unternehmen nicht mehr garantieren können, die nachgefragten Güter weiterhin anzubieten. Knappes Angebot bei hoher Nachfrage führt dann automatisch zu steigenden Preisen, welche Unternehmen an die Konsumenten weitergegeben. Damit wird deutlich, dass ein Umdenken stattfinden muss. Sichere Produktion ist heutzutage wichtiger als billige Produktion.
Je näher desto besser
Das sogenannte Outsourcing ganzer Unternehmenszweige ermöglicht die billige Herstellung. China ist hierbei ein beliebtes Ziel. Aufgrund der strengen COVID Restriktionen ist das Land jedoch kein sicherer Zulieferer. Das bedeutet, dass neben verstärkter Lagerhaltung als Absicherung, eine Diversifizierung der Lieferketten vorgenommen werden muss. Wenn man mehrere Lieferanten hat, fällt ein Ausfall eines Lieferanten nicht so schwer ins Gewicht, als wenn man sich ausschließlich auf einen verlässt. Außerdem könnte eine Rückverlagerung der Produktion von Asien nach Europa dazu beitragen, unsere Lieferketten zu stabilisieren. Dazu könnte es aber nur kommen, wenn die Politik mitwirkt.
Leere Schubladen in Apotheken
Besonders wichtig ist die Sicherstellung der Medikamentenversorgung. Mit diesem Problem haben aktuell deutsche Apotheken zu kämpfen, die auch von Lieferengpässen betroffen sind. Ein großer Anteil der Medikamente die in deutschen Apotheken erhältlich sind, wird in Ländern wie Indien und China hergestellt. Der Apothekenverband veröffentlicht in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit eine Liste mit Medikamenten, die aktuell Lieferengpässen zum Opfer fallen. Auf dieser Liste stehen aktuell nahezu 300 Medikamente. Neben Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Paracetamol fehlt auch ein Medikament, das zur Bekämpfung von Brustkrebs eingesetzt wird. Damit wird deutlich, welche schwerwiegenden Folgen solche Engpässe bedeuten können. Probleme gebe es somit nicht nur bei Nischenprodukten, sondern auch bei gängigen Mitteln gegen Bluthochdruck und Diabetes. Lieferschwierigkeiten von Medikamenten bestehen schon länger, jedoch verschärft sich die Situation hinsichtlich der Menge und Länge des Ausfalls. (sms)